Was ist eine Skoliose

Bei Skoliosen und Kyphosen handelt es sich um sog. Deformitäten der Wirbelsäule. Ist bei den meisten Kyphosen nur eine Ebene von der Deformität betroffen (Seitansicht), liegt bei den meisten Skoliosen eine 3-dimensionale Problematik vor. Zahlreiche Grunderkrankungen können zu den verschiedenen Formen der Skoliosen und Kyphosen führen, so dass es sich nicht um ein einheitliches Problem handelt.

Gesunde Wirbelsäule
Gesunde Wirbelsäule

Eine normale Wirbelsäule ist in der Frontalansicht gerade und jeder einzelne Wirbel ist nicht um die Längsachse der Wirbelsäule verdreht sondern in sog. Neutralstellung symmetrisch positioniert. In der Seitenansicht der Wirbelsäule zeigt eine normale Wirbelsäule im Bereich der Lendenwirbelsäule ein gesundes Hohlkreuz (Lordose), in der Brustwirbelsäule ein gesundes normales Ausmaß an Rundrücken (Kyphose) und im Bereich der Halswirbelsäule eine gesunde Lordose. Diese S-Form ist biomechanisch sehr günstig für die Wirbelsäule v.a. im Hinblick auf Bewegung und Abfederung/Dämpfung von Erschütterungen des Körpers zum Schutz des Kopfes.

Auf dem linken Bild: Eine gesunde Wirbelsäule in der Frontalansicht zeigt einen „geraden“ Verlauf. Das Lot (roter Strich) fällt von unteren Halswirbelsäule mittig nach unten und läuft durch die Mitte des Kreuzbeins, d.h. Kopf und Oberkörper stehen mittig über dem Becken, ein Zustand, der biomechanisch günstig ist.

Auf dem rechten Bild: Eine gesunde Wirbelsäule in der Seitenansicht zeigt einen harmonischen S-förmigen Verlauf „geraden“ Verlauf. Das Lot (roter Strich) fällt von der unteren Halswirbelsäule senkrecht nach unten und läuft durch die Hinterkante des ersten Kreuzbeinwirbels, d.h. Kopf und Oberkörper stehen auch in seitlicher Perspektive mittig über dem Becken, ein Zustand, der biomechanisch günstig ist.

 

Vergleich gesunde Wirbelsäule zu Skoliose-Wirbelsäule
Skoliose Wirbelsäule

Bei einer Skoliose kommt es meistens zu einer krankhaften Veränderung aller 3 Raumebenen. In der Frontalansicht zeigt sich die typische Skoliose-Krümmung (grüner Pfeil). Am Röntgenbild wird das Ausmaß der Skoliose mit dem sog. Cobb-Winkel bestimmt. Bei der Aufsicht auf die einzelnen Wirbel (Querschnittansicht), v.a. im Bereich der maximalen Skoliose-Krümmung, erkennt man eine Verdrehung (Rotation) der einzelnen Wirbel um die Wirbelsäulenlängsachse. Zudem zeigen Skoliosen i.d.R. Veränderungen des seitlichen Profils (Seitansicht), häufig im Sinne es sog. Flachrückens (roter Pfeil), d.h. die normale Kyphose der Brustwirbelsäule ist vermindert. Selten kann auch eine Zunahme der Kyphose auftreten.

Skoliose - Frontales Profil
Skoliose - Frontales Profil

Bei einer Skoliose steht eine Schulter häufig in der Frontalansicht tiefer als die Gegenseite (Schultertiefstand, roter Pfeil).
Das Lot, welches von der unteren Halswirbelsäule senkrecht nach unten fällt, läuft nicht mehr mittig durch das Becken sondern liegt wie in diesem Fall einige cm seitlich der Beckenmitte, man spricht vom Rumpfüberhang.
Die normalerweise symmetrischen Taillendreiecke sind asymmetrisch (grüne Pfeile).
Das Becken kann horizontal stehen, kann in einigen Fällen aus verschiedenen Gründen auch schief positioniert sein.

Die Verdrehung der Wirbel (Rotation) im Skoliose-Areal führt dazu, dass im Bereich der Brustwirbelsäule die an den Wirbeln über Gelenke fixierten Rippen ebenfalls verdreht sind. Auf der einen Seite drehen sich die Rippen nach hinten und bilden den sog. Rippenbuckel, auf der anderen Seite drehen die Rippen nach vorne und bilden das Rippental. Zusätzlich zu diesem Dreheffekt der Rippen ist zu erwähnen, dass die Form der Rippen rechts uns links bei Skoliose-Patienten nicht symmetrisch gleich ist, sondern dass die Rippen i.d.R. komplett asymmetrisch gewachsen sind. Im Bereich der Lendenwirbelsäule, wo es keine Rippen gibt, führt die Verdrehung dazu, daß die Rückenmuskulatur, die auf den Querfortsätzen der Wirbel liegt, auf der einen Seite nach hinten vorgewölbt wird, hier entsteht der Lendenwulst, und auf der anderen Seite nach vorne versetzt ist. Rippenbuckel und Lendenwulst zeigen sich besonders, wenn der Patient mit gestreckten Beinen steht und dann den Oberkörper nach vorne beugt (sog. Vorneige-Test).

Anblick einer Skoliose von hinten im Vorneigetest
Skoliose - Rotation