Degenerative Skoliose

Welche Ursache hat eine degenerative Skoliose

Eine gesunde Wirbelsäule

Dieser Typ der Skoliose entsteht im Laufe des Erwachsenen-Lebens (meist > 60 Jahre) durch Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule, meist der Lendenwirbelsäule. Diese treten meist asymmetrisch auf und führen dazu, daß es zu Verkippungen zwischen benachbarten Wirbeln kommt, die schlussendlich zu einer Skoliose führen.

Eine gesunde Wirbelsäule in der Frontalansicht zeigt einen „geraden“ Verlauf. Das Lot (roter Strich) fällt von der unteren Halswirbelsäule mittig nach unten und läuft durch die Mitte des Kreuzbeins. Auch in der Seitenansicht fällt das Lot von der Halswirbelsäule durch das Kreuzbein. Das bedeutet, daß Kopf und Oberkörper in beiden Ebenen mittig über dem Becken stehen, ein Zustand, der biomechanisch günstig ist.

Betrachtet man nur die Lendenwirbelsäule, so zeigen sich annähernd relativ gleich hohe Bandscheiben-Fächer. Die gesunde Bandscheibe hat die Funktion eines Stoßdämpfers zwischen 2 benachbarten Wirbeln. Sie funktioniert wie ein prall gefüllter Reifen.

Die Bandscheibe durchläuft im Laufe des Lebens einen natürlichen Alterungsprozeß. Abhängig von bestimmten teils bekannten Risikofaktoren (genetische Veranlagung, Rauchen, mechanische Belastung durch z.B. Übergewicht oder Überlastung, Hormonstatus), teils aber auch unbekannten Faktoren kann dieser Alterungsprozeß in einzelnen Bandscheiben rascher oder langsamer, ausgeprägter oder weniger ausgeprägt verlaufen.
Im Kindesalter besteht die Bandscheibe aus einem weicheren gallertigen Kern und einem stabileren, derben äußeren Ring. Im Laufe des Alterungsprozesses wird der Kern ebenfalls derber und die Grenze zwischen Kern und Ring verschmilzt. Im weiteren Verlauf verändert die Bandscheibe ihre Farbe und ihre Konsistenz. Sie wird spröder und kleine Risse entstehen, v.a. im hinteren Anteil des äußeren Bandscheiben-Ringes. Die Bandscheibe trocknet zunehmend aus. Man kann diesen Prozess gut vergleichen mit dem Alterungsprozeß eines Radiergummis, welches jahrelang in einer Schublade liegt. Auch ein solches Radiergummi wird mit den Jahren spröder und rissiger. Tritt durch o.g. Risse Bandscheiben-Kernmaterial nach hinten in Richtung Nervenkanalaus, so spricht man von einem Bandscheibenvorfall. Patienten mit einer degenerativen Skoliose können im Rahmen des Verschleißes somit auch einen Bandscheibenvorfall haben, dies ist aber nicht immer der Fall. Häufiger zeigen die Patienten eine degenerativ bedingte Spinalkanalstenose.

Ein weiterer Prozeß im Rahmen des Alterns der Bandscheibe ist die Abnahme der Höhe der Bandscheibe, u.a. bedingt durch das Austrocknen der Bandscheibe. Die Risse nehmen zu und die Höhe der Bandscheibe nimmt ab. Schlussendlich kann dieser Prozeß darin enden, dass Teile der Bandscheibe komplett aufgebraucht sind und der obere Wirbel direkt auf dem unteren aufliegt. Der Verschleißprozeß der Bandscheibe kann gut mit dem Verschleiß eines Autoreifens verglichen werden. Wenn der Reifen abgefahren ist, läuft irgendwann die Felge auf dem Asphalt. Ähnlich kann es beim Aufbrauchen der Bandscheibe zu direktem Kontakt von oberem und unterem Wirbel kommen.

Osteochondrose

Wenn es zum Verschleiß einer Bandscheibe kommt, reagiert im Verlauf auch der angrenzende Knochen mit und zeigt Veränderungen. Diese gemeinsamen Verschleißprozesse von Bandscheibe und benachbarten knöchernen Wirbeln nennt man „Osteochondrose“.

Eine Besonderheit liegt in der mechanischen Nähe von Bandscheibe vorne und kleinen Wirbelgelenken hinten. Wenn die Höhe der Bandscheibe abnimmt, nähern sich die Gelenkpartner der kleinen Wirbelgelenke einander an, der Druck im Gelenk steigt und eine Arthrose entsteht. Dieser Zusammenhang ist der Grund dafür, dass es nur selten Patienten gibt mit isolierter Bandscheibendegeneration ohne begleitende Arthrose der Wirbelgelenke im gleichen Segment.

Schlußendlich kann es dann dazu kommen, dass der Körper in einem solchen Bereich eine knöcherne Überbrückung und Durchbauung bewirkt, der Körper fusioniert, d.h. versteift sich somit in diesem Bereich selbst.

Knöcherne Überbrückung und Durchbauung

Wenn es allerdings nicht zu einem streng symmetrischen Höhenverlust im Bereich des Verschleißes kommt, sondern zum häufig vorkommenden asymmetrischen Verschleiß der Bandscheiben, so folgert eine asymmetrische Höhenminderung. Dies in Zusammenhang mit einer Verschleiß-bedingten Verdrehung der Wirbel um die Wirbelsäulen-Längsachse (Fehl-Rotation) und einer im vorderen Anteil im Vergleich zum hinteren Anteil der Wirbelsäule vermehrten Höhenminderung führt häufig zu komplexen 3-dimensionalen Skoliosen mit krankhaften Veränderungen in allen 3 Ebenen. Das Lot steht dann sowohl in Frontalansicht als auch in Seitenansicht nicht mehr mittig über dem Becken.

Durch die Höhenminderungen der Bandscheiben der Lendenwirbelsäule bei erhaltener Höhe der hinteren knöchernen Strukturen kippt die Wirbelsäule langsam nach vorne und bewirkt, daß der Patient immer schlechter aufrecht stehen kann.

Häufig entwickeln Patienten mit Bandscheiben-Degeneration und nachfolgender Degeneration der kleinen Wirbelgelenke auch einen degenerativ bedingten Gleitwirbel (degenerative Spondylolisthese). Dies wird durch bestimmte Konstellationen und Ausrichtungen der kleinen Wirbelgelenke im Raum begünstigt.

Welche Geschichte und welche Beschwerden haben Patienten mit degenerativer Skoliose häufig

Degenerative Skoliosen entstehen i.d.R. im Laufe vieler Jahre durch o.g. Verschleißprozesse. Die Patienten leiden häufig seit vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten an Rückenschmerzen, z.T. kombiniert mit Beinschmerzen.

Die Rückenschmerzen haben ihren Ursprung in den degenerierten Bandscheiben, den degenerierten kleinen Wirbelgelenken (typische Arthrose) und in der musklären Überbeanspruchung der Rückenmuskulatur im Versuch, den Rumpf aufrecht im Lot zu halten trotz zunehmender Lotabweichungen.

Der Beinschmerz resultiert häufig durch Druck auf Nervenwurzeln im sog. Wirbelkanal durch Bandscheibenvorfälle oder Spinalkanalstenosen oder im Bereich der Austrittslöcher (sog. Neuroforamina) rechts oder links aus der Wirbelsäule, durch die die Nerven aus der Wirbelsäule austreten. Im Einzelfall kann auch ein sog. neurologisches Defizit auftreten, d.h. daß einzelne Muskeln der unteren Extremitäten nicht mehr normal kräftig arbeiten können, da ihre Versorgung über die Nerven gestört ist. Man spricht von Paresen (Lähmungen). Begleitend können auch Taubheitsgefühle und Kribbelmissempfindungen der Beine auftreten.

Diagnostik

Welche Diagnostik ist sinnvoll bei degenerativer Skoliose?

Behandlungsoptionen

Welche Behandlungsoptionen gibt es bei einer degenerativen Skoliose?

Arzt und Kind schauen sich eine Röntgenaufnahme an